(Berich von osthessen-zeitung.de vom 20.April 2020)

Bad Soden/Offenbach (fs) – Erst ein Spiel konnte Alexander Okyere für die SG Bad Soden in der Fußball-Verbandsliga absolvieren, dann kam die Corona-Krise. Dennoch hat sich der 20-Jährige bei den Sprudelkickern schon bestens eingelebt – auch wenn er seine leidenschaftlichen Ansprachen vor den Spielen noch überhaupt nicht gehalten hat. Okyere ist nämlich ein begnadeter Motivationsredner, seine Rede vor dem Alzenauer Auswärtssieg in Homburg Ende Juli 2019 ist bereits jetzt legendär und ging damals viral.

„Ich fühle mich sehr wohl in Bad Soden. Alle sind nett, in der Mannschaft ist eine gute Qualität vorhanden und die Jungs haben mich mit offenen Armen empfangen“, erklärt Okyere zufrieden, der erst im Winter vom Regionalligisten Bayern Alzenau an die Bornwiese gewechselt war. Bei den kleinen Bayern war der 20-Jährige nur einmal zum Einsatz gekommen, bei der 0:2-Niederlage in Pirmasens Ende November hatte Okyere über 90 Minuten auf dem Platz gestanden, soll in Bad Soden nun aber eine tragende Rolle spielen: Beim 2:2 gegen die SG Barockstadt II spielte der Rechtsverteidiger direkt durch. Danach kam jedoch die Corona-Krise, seitdem ist auch an der Bornwiese kein Training mehr möglich, stattdessen hält sich Okyere zuhause in Mühlheim fit: „Bisher komme ich klar. Ich gehe alleine laufen, mache Krafttraining und das momentan noch viel intensiver. Ich habe auch noch die Hoffnung, dass die Saison zu Ende gespielt wird.“

Überhaupt ist der 20-Jährige stets gut gelaunt und immer optimistisch – und seit zwei Jahren hält der Youngster vor Spielen immer wieder mitreißende Motivationsreden, in denen er seine Teamkollegen pusht. Bundesweit bekannt wurde Okyere vor allem mit der Motivationsrede, die er beim überraschenden 2:1-Auswärtssieg zum Regionalliga-Auftakt in Homburg gehalten hatte: Ein Teamkollege hatte seine mitreißende Ansprache gefilmt und anschließend ins Netz gestellt. „Monat für Monat, Trainingseinheit für Trainingseinheit, wir sind morgens um 5 aufgestanden, sind arbeiten gegangen oder zur Schule oder zur Uni, und danach zum Trainieren. Ich sage euch eins: Wir sind fantastisch! Das Team, das hier steht, ist fantastisch! Also lasst euch nicht kleinhalten, lasst euch nicht kleiner machen als ihr seid! Ihr seid großartig! Also, ich sage euch eine Sache: Wir gehen heute da raus und kämpfen als ein Team. Denn das ist das Einzige, was uns bleibt!” – mit diesen Worten hatte Okyere die Alzenauer damals gepusht. „Mir war gar nicht bewusst, dass die Rede jemand aufnimmt“, schmunzelt Okyere, der sagt: „Ich habe schon bessere Reden gehalten. Aber letztlich war jeder total überrascht, dass das so viral geht.“

Entstanden ist Okyeres Faible schon vor rund zwei Jahren, als der angehende Sport- und Fitnesskaufmann mit der U19 von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga im Abstiegskampf steckte. „Damals haben wir gegen alle Erwartungen die Klasse gehalten: Es gab ein Spiel gegen Unterhaching, das wir nach einem 0:2 mit 3:2 gewinnen konnten, am Ende hat ein Tor in der Nachspielzeit in Heidenheim den Abstieg verhindert. Ich habe als Fußballer bei der Eintracht so viel erlebt und so viel gelernt“, erklärt Okyere, der danach auch in Alzenau vor den Spielen immer wieder begeisternde Motivationsreden hielt.

Gemeinsam mit seinem früheren Frankfurter und Alzenauer Mitspieler Noah Schmitt (mittlerweile beim Hessenligisten in Eddersheim) betreibt der 20-Jährige nun seit einem guten Jahr den Instagram-Kanal „comebackmotivation“, der mittlerweile schon gut 5500 Follower hat. Immer wieder teilen beide dort Bilder von Fußballern mit motivierenden Sprüchen wie „Aufgeben ist keine Option“ oder „Es wird nicht leichter, aber du wirst besser!“. „Wir möchten zeigen, dass immer alles möglich ist und man sich von Niederlagen nicht unterkriegen lassen soll“, betont der Rechtsverteidiger, der die Motivationsredner Les Brown und Eric Thomas als Vorbilder nennt. Noch verdient das Duo mit dem Projekt kein Geld, das Potenzial sei aber groß: „Das ist unsere Leidenschaft und die entwickelt sich immer mehr zu einem Geschäftsfeld. Wir arbeiten an einigen Projekten, das Potenzial ist sehr groß. Wir haben sehr viele Abonnenten und vor allem viele junge Fußballer, auch Profis wie Max Mayer“, erklärt Okyere stolz.

Ob der 20-Jährige künftig allerdings auch bei den Sprudelkickern vor den Spielen seine Mitspieler pushen wird, ist noch nicht so ganz raus: „Ich möchte einfach nur meinen Ehrgeiz und meine Mentalität auf den Platz bringen und da gar nicht die bisherigen Strukturen verändern. Die Mannschaft hat auch so mit beispielsweise Daniele Fiorentino oder Christian Pospischil ganz erfahrene Spieler, die motivieren können“, erklärt der Youngster. Und auch Trainer Anton Römmich ist bekanntlich nicht auf den Mund gefallen.

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