(Bericht von osthessen-zeitung.de vom 27.August 2020)

Schlüchtern – Von Florian Seelig – Die SG Bad Soden hat sich nach zwei Jahren Abstinenz mit einem 2:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung wieder den Schlüchterner Fußball-Kreispokal gesichert: So schwach der frühere Seriensieger gegen den Titelverteidiger SG Freiensteinau über weite Strecken auch agierte, umso schöner war der Treffer von Lukas Ehlert zum 1:0 in der Verlängerung: Ehlert traf in bester Arjen-Robben-Manier nach einem feinen Solo. Teilweise fast schon übertrieben und beinahe wie ein Regionalliga-Hochrisikospiel mutete hingegen die Umsetzung des Hygienekonzepts an.

Schöner hätte der Siegtreffer kaum sein können: Linksfuß Ehlert zog wie früher Arjen Robben regelmäßig von rechts vors Tor – dabei konnten ihn auch fünf Freiensteinauer nicht stoppen, am Ende traf der frühere Frankfurter überlegt mit links zum 1:0 für die Sprudelkicker (98.). Die SGF warf dann zwar nochmal alles nach vorne, bei der größten Chance für den Underdog verhinderte Sodens Keeper Abdul Samed Ersöz gegen Sebastian Sill jedoch den Ausgleich (115.). „Lukas hat eine riesengroße Qualität, das wissen wir alle. Wir haben einen Dosenöffner gebraucht, den hat er geliefert. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen“, mahnte Sodens Trainer Anton Römmich trotz aller Freude über den Treffer. Nicht mehr ins Gewicht fiel dann das 2:0 durch Daniele Fiorentino mit dem Schlusspfiff. „Wir wollten diesen Pott unbedingt, alles andere ist egal“, hatte Römmich den durchwachsenen Auftritt seiner Elf schnell abgehakt. Freiensteinaus Co-Trainer Patrick Jäger wiederum lobte den entthronten Titelverteidiger für einen couragierten Auftritt: „Es ist natürlich schade, dass wir verloren haben, aber ich bin stolz auf die Jungs. Sie haben über 120 Minuten einen klasse Pokalfight abgeliefert.“

Dass es überhaupt in die Verlängerung kam, hatten sich die Sodener größtenteils sich selbst zuzuschreiben – auch wenn die von Trainer Heiko Breitenberger glänzend eingestellten Freiensteinauer ihre Sache in der Defensive über weite Strecken sehr gut machten. Gerade Daniele Fiorentino hätte jedoch mehrmals auf 1:0 stellen können (55., 68., 88.), traf jedoch entweder die falsche Entscheidung oder verpasste den Ball knapp. Zudem köpfte Betim Mezini einen Aufsetzer knapp drüber (73.). Viel mehr hatten die Sprudelkicker aber im zweiten Durchgang trotz einer Systemumstellung von 4-2-3-1 auf 4-3-3 nicht zu verzeichnen, stattdessen agierten die Kurstädter wie schon im ersten Durchgang zu behäbig, fehlerbehaftet und nicht zielstrebig genug. „Wir haben erst in der 70. Minute angefangen, Fußball zu spielen. Wir hatten nicht viel Bewegung und eine Fehlpässe“, bemängelte Römmich, der aber dennoch keine Angst gehabt habe, das Spiel zu verlieren: „Wir haben uns das Leben nur selbst schwergemacht. Aber ein Kompliment an die Mannschaft, dass sie ruhig geblieben ist.“

Absolut verdient war das 0:0 zur Pause: Den Sprudelkickern fiel gegen defensiv sehr disziplinierte Freiensteinauer rein gar nichts ein, dazu fehlte jegliches Tempo im Spiel nach vorne. Bezeichnend: Erst kurz vor der Pause wurde es erstmals brenzlig, SGF-Keeper Felix Kania war jedoch gegen Lukas Ehlert fair und rechtzeitig zur Stelle (45.+1). Die beste Chance in Durchgang eins hatte sogar der Underdog, Patrick Muth setzte den Ball nach einem Freistoß aus aussichtsreicher Position jedoch etwas überhastet über den Kasten.

Das Hygienekonzept setzte die SG Schlüchtern als Gastgeber mit zahlreichen Ordnern sowie getrennten Eingängen und Zonen für Heim- und Gästefans hochmotiviert, aber auch detailgetreu um – das erinnerte teilweise beinahe schon an ein Hochrisikospiel in der Regionalliga. Den Eindruck verschärften auch die zahlreichen eingesetzten Ordner und auch das Ordnungsamt, das mit vier Kräften gemeinsam mit der Feuerwehr die SGS bei der Umsetzung des Hygienekonzepts unterstützen wollte. Die Einschränkungen, unter anderem war auch der Bereich vor dem Sportlerheim gesperrt, gingen sogar so weit, dass kein gemeinsames Mannschaftsfoto der beiden Endspielnehmer erstellt werden durfte und Medienvertreter den Rasen nicht betreten durften. Die Siegerehrung erfolgte nach dem Spiel ebenfalls nur im kleinen Kreis. „Das Problem ist, dass die anderen Vereine das Konzept nicht oder nicht richtig umsetzen”, begründete Schlüchterns Vorsitzender Rene Leipold die ergriffenen Maßnahmen.

Bad Soden: Ersöz; Okyere (46. Lairich), Rintelmann, Neiter, Kymlicka – Mezini, Huhn – K. Paulowitsch (46. T. Paulowitsch), Ehlert, Demuth (61. Adem) – Fiorentino.

Freiensteinau: Kania; Papsch, S. Sill, Link, Schenk – Stribrny, Müller – Muth, R. Lotz, Stramm (61. Lang) – J. Beikirch.

Schiedsrichter: Jeffrey Euchler (Herolz)

Tore: 1:0 Lukas Ehlert (98.), 2:0 Daniele Fiorentino (120.)

Zuschauer: 170.

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